{"id":186,"date":"2016-01-07T22:42:56","date_gmt":"2016-01-07T21:42:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/?page_id=186"},"modified":"2023-08-12T16:24:43","modified_gmt":"2023-08-12T14:24:43","slug":"werk-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/werk-2\/","title":{"rendered":"Werk"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Mitte seines Lebens verabschiedete sich Ulrich Pietzsch von seinen bisherigen Berufen als Theaterkritiker, Wissenschaftler, Buchautor und Filmemacher. Er hatte die lange verborgene F\u00e4higkeit bei sich entdeckt, dass er Bilder malen konnte. Seine Frau Lydia war verbl\u00fcfft, dass ein gelernter Philosoph und ge\u00fcbter Journalist alles Gelernte vergisst, pl\u00f6tzlich&nbsp;sein Leben v\u00f6llig ver\u00e4ndert und&nbsp;begeistert Bilder malt. Sie hatte schon lange geahnt, dass in ihm noch andere&nbsp;Begabungen stecken. Nun f\u00f6rderte sie sein Talent und organisierte seine erste Ausstellung, nachdem er 100 Bilder gemalt hatte. Er nannte sich \u201eDer Bildermaler\u201c und kam von einem fremdbestimmten Leben zu einem Dasein, das ihm in der meisten Zeit eine unbegrenzte Freiheit im Sch\u00f6pfungsdrang erm\u00f6glichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 40 Jahren malt er. Tausende Bilder, hunderte Aquarelle und Pastelle, neuerdings unz\u00e4hlige Acrylbilder und \u00d6lpapierarbeiten sind entstanden. Er hatte (bis 2015) 75 Personalausstellungen in Galerien, Museen und Institutionen im In- und Ausland. In seinen Ausstellungen kann man die Leute pl\u00f6tzlich l\u00e4cheln sehen. In diesem L\u00e4cheln steckt die Freude am Leben, aber auch unbewusst der Missmut gegen die Rationalisierung und Versachlichung der uns umgebenden Welt. Ja, man kann noch Bilder ansehen, auf denen etwas zu \u201esehen\u201c und zu entdecken ist, die Sch\u00f6nheit und Einfachheit unseres Alltags. Neben der Malarbeit hat er immer geschrieben, auch Gedichte. Sein Geschichtenbuch \u201eVerdammte Heimat\u201c fand Beachtung. Im Alter hat er wieder verst\u00e4rkt mit dem Schreiben begonnen. Er legte ein Buch mit dem Titel \u201eAufs richtige Pferd gesetzt\u201c vor. Humorige Episoden und Geschichten zeigen, wie es in seinem Malerleben zuging, was er erlebte mit Galeristen, Museumsleuten, Generaldirektoren, Bildersammlern, Ausstellungsmachern, K\u00fcnstlerkollegen und \u2013 nicht zuletzt \u2013 mit seinem Publikum. Letztlich kommt dabei heraus, dass er eigentlich alle Bilder nur f\u00fcr seine Frau gemalt hat. Dr. Manfred Fortmann gab einen Bildband \u00fcber den Maler heraus. Er selbst verfasste die Lebensgeschichte seiner Frau und schrieb \u00fcber seine Kindheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bildermaler Ulrich Pietzsch hat&nbsp;Don Quichote oft gemalt, weil er sich manchmal selber so f\u00fchlte, aber auch beeinflusst von \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden. Einmal hat er den Ritter von der traurigen Gestalt auf einem Schaukelpferd&nbsp; gemalt. Der fuchtelt mit der&nbsp; Lanze herum.&nbsp;Aber&nbsp;er kommt er mit dem Bek\u00e4mpfen der Windm\u00fchlen nicht voran.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Welt\u201c, sagt er, \u201eist eine einzige Don Quichoterie, und wem es schwer f\u00e4llt, sich in ihr zurecht zu finden, dem kann man nur raten, sein Leben&nbsp; mit Humor zu \u00fcberstehen. Ich mache mir meinen Humor selber, indem ich ihn auf meine Bilder male.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Humor des nun \u00fcber 80j\u00e4hrigen Bildermalers \u00fcbertr\u00e4gt sich auf die Betrachter. Sie l\u00e4cheln vor seinen Bildern und staunen \u00fcber die Lebenskraft, Erz\u00e4hlfreude, den Optimismus, die Vielfalt der Motive, vor allem \u00fcber den poetischen Geschmack. Seine Frau sagt ihm, sie brauche nicht mehr zum Arzt gehen, es reicht, die Bilder anzusehen. Das ganze Haus des Malers h\u00e4ngt voller Bilder. Deshalb will das Ehepaar auch nicht verreisen, es w\u00fcrde seine Bilderw\u00e4nde vermissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Manche m\u00f6gen sagen, er sei ein Fossil, \u00dcberbleibsel einer vergangenen Zeit. Doch genau wie sich der Arch\u00e4ologe freut, ein Fossil auszugraben, weil es nicht nur neue Erkenntnisse bringt, sondern ihm auch einen \u00e4sthetischen Genuss bereitet, so sind auch die Betrachter der Bilder von Ulrich Pietzsch Ausgr\u00e4ber einer Zeit, wo es zwischen den auch schon immer unvermeidlichen Kriegen, Hungersn\u00f6ten, Seuchen und sonstigen Gr\u00e4ueltaten gem\u00e4chlicher und zufriedener zuging als heute. Wenn man genauer auf die Bilder schaut, kann man derartige sch\u00f6ne&nbsp;\u201efossile\u201c Ereignisse und Geschichten auch noch in der Gegenwart genie\u00dfen. Als Rudimente sind sie noch \u00fcberall zu sehen. Seine Bilder verzaubern und entzaubern zugleich. Sie sagen: \u201eOh wie sch\u00f6n\u201c, und danach: \u201eSchade, dass es das nur noch so selten gibt, weil wir es zunehmend&nbsp; zerst\u00f6ren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild ist bei ihm Empfindungswerk. Der Maler meinte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn ich sage, ich male Eindr\u00fccke von den Dingen, so verstehe ich das nicht im Sinne der Impressionisten, die t\u00e4glich mit dem Pinsel und der Farbe darum k\u00e4mpften, den Eindruck einer Stimmung festzuhalten, was ihnen dann als fl\u00fcchtiges, bewegtes, verschwommenes, meist Licht durchflutendes&nbsp;Bild genial gelang. Bei mir bedeutet das Wort Eindruck etwas anderes. Was ich sehe, will ich nicht nachvollziehen, sondern der unmittelbare Eindruck mischt sich bei mir mit dem, was sich in meinem Unterbewusstsein an Eindr\u00fccken gespeichert hat. Daf\u00fcr ben\u00f6tigte ich ein ganzes Leben, auch f\u00fcr jene Eindr\u00fccke, die ich vor meiner Zeit als Maler, also vor dem 39. Lebensjahr hatte. Sie verlangen nach dem Aufruf durch mich selbst. Das sind verborgene, oft auch nur schwer auffindbare Sinnestatsachen, die ich einmal, auch schon als Kind, gesehen und in mir aufgehoben habe\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Es vollzieht sich auf diese Weise die Verdopplung der Welt, Phantasie bringt das Innere des Malers und das Au\u00dfen seines Blicks, das Noch \u2013 Heute und die Erinnerung. in Kollision. So kommt es, dass die Bilder den so genannten einfachen Menschen genau so wie einzelg\u00e4ngerischen Intellektuellen in geheimem Einverst\u00e4ndnis gegen\u00fcber treten. Wer m\u00f6chte, kann auch \u00fcber sie nachdenken. Meist ist jedoch der unmittelbare Eindruck ohne tieferes Nachdenken wichtig. Die Art der Entstehung dieser Bilder l\u00e4sst die mehr emotionale Reaktion zwangsl\u00e4ufig folgen. Der Maler geht in seiner Kunst nicht den Umweg des Vordenkens und Planens, sondern l\u00e4sst sich von instinktivem Reagieren treiben. Und das merken die Betrachter. Er sagt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch habe nie ein Bild geplant. Das w\u00fcrde ich nicht tun, weil ich dazu meine Phantasie vergewaltigen m\u00fcsste. Ich muss meine Gestaltungsm\u00f6glichkeit jederzeit offen halten. Selbst wenn es durch vorheriges Bleistiftzeichnen den Schimmer eines Planes gegeben h\u00e4tte, er w\u00fcrde unterwegs, w\u00e4hrend der Arbeit an dem Bild, wieder verloren gehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Psychologe Dr. Thomas Krauss meinte nach Beschauen seiner Bilder:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Er malt seine Tr\u00e4ume&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst konnte der Maler dies nicht verstehen, weil er nie seine Tr\u00e4ume malt. Die sind ihm viel&nbsp;zu traurig. Aber bald verstand er, was gemeint war: W\u00e4hrend der Arbeit an einem Bild versinkt er v\u00f6llig im Gestalten, er schaltet ganze Bereiche seines Bewusstseins aus und wird zum&nbsp; Tagtr\u00e4umer.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Vorgehen des Malers beantwortet auch die Frage, ob er ein naiver Maler ist. Naiv vielleicht, weil er das Malen nie gelernt hat, was bei diesem Talent eine Gnade ist und ihm das instinktive Aufnahmeverm\u00f6gen und den nur ihm zugeh\u00f6rigen Pinselstrich gibt. Da sich bei ihm freier Gestaltungswille durchgesetzt hat, erfolgt der Umbruch von dem, was gew\u00f6hnlich \u201eNaiv\u201c genannt wird, bei ihm zu einer anderen Qualit\u00e4t. Es hat sich bei ihm ein\u00a0 vielf\u00e4ltiges Formgef\u00fcge etabliert\u00a0 und ist zu einem \u00fcberzeugenden Ausdruck geronnen. Da kann man ihn schwer einer Stil \u2013 und Motivzugeh\u00f6rigkeit\u00a0 unterordnen. H\u00f6chstens ein bisschen der Romantik, die ja wie ein Veto gegen die ern\u00fcchternde Rationalit\u00e4t steht. Wir wissen, sie hat sich real nie durchgesetzt, aber sie bliebt utopisch in vielen Herzen erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau besehen: So vernunftfern und unpolitisch sich die Bilder auch offenbaren, sie sind es eigentlich nicht, denn wer eine Art Gegenwelt zu den herrschenden Zust\u00e4nden zeigt, der ist vielleicht auch politisch und nicht ganz vernunftfern. Es hat noch niemand bestritten, dass die Kunst auch eine Trostfunktion hat. Die Zeitgeistfanatiker, denen sich die gesamte Kunstmoderne verpflichtet f\u00fchlen, w\u00fcrden das bespotten. Unserem Bildermaler ficht es nicht an. Er kann es sich leisten, poetische Bilder zu malen, weil er kein unbedingter Anh\u00e4nger des Kulturbetriebs ist, wiewohl ihn in der letzten Zeit immer mehr Kunstvereine in ihr Programm aufnehmen. Besonders gern stellt er auch in kleineren und mittleren Museen aus, weil er da \u2013 anders als in Galerien \u2013 mit Besuchern rechnen kann. Galerien haben meist keine Besucher, au\u00dfer bei der Er\u00f6ffnung, auch Vernissage genannt. Wie es da mitunter zugeht, dar\u00fcber hat unser Bildermaler eine Geschichte geschrieben, die er in seinem Buch \u201eAufs richtige Pferd gesetzt\u201c drucken lie\u00df. Dort sind 38 Kurzgeschichten \u00fcber seine Erlebnisse als Maler enthalten. Lesenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich hat er immer Einzelausstellungen best\u00fcckt. Seine Frau hat ihn darin best\u00e4rkt. In den letzten Jahren hat er sich an drei Sammelausstellungen beteiligt, eigentlich zun\u00e4chst gegen seinen Willen, und den Willen seiner Frau Aber dann hat er gemerkt, dass er die Konkurrenz der Moderne nicht nur aush\u00e4lt, sondern dabei auch ausgesprochen gut abschneidet. Die Leute bleiben vor seinen Bilder l\u00e4nger stehen, weil sie merken, da erz\u00e4hlt einer noch etwas und das mit Humor. Da merkt er, dass er tiefe Bed\u00fcrfnisse bei den Menschen getroffen hat. Es gibt aber noch einen anderen Grund: Die gesamte moderne Kunst und die so genannte naive Kunst entstammen als Massenverbreitung aus einer Linie. Naivenurvater Henri Rousseau war mit Moderneurvater Picasso eng befreundet. Sie besuchten sich regelm\u00e4\u00dfig und gegenseitig in ihren Ateliers. Picasso hat f\u00fcr Rousseau sogar ein Ehrenbankett ausgerichtet. Das wei\u00df heute kaum noch jemand. &nbsp;Die naive Kunst ist die engste Verwandte der Moderne, auch weil sie ein Gegenpol ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Pietzsch\u00a0will aber nicht als naiver Maler bezeichnet werden und weicht deshalb bewusst auf die Bezeichnung \u201eDer Bildermaler\u201c aus, ein Begriff, den er nicht erkl\u00e4ren will. Er hat etwas geschafft, was Malern meist erst nach ihrem Ableben beschieden ist, er hat sein \u201eWerkverzeichnis\u201c zusammengestellt und es auch in Druck und ins Internet auf seine Website gegeben. Schaut man es sich an, so merkt man zun\u00e4chst eine deutliche naive Stilistik, was sich mit\u00a0 der Tatsache erkl\u00e4ren l\u00e4sst, dass er nie eine Malausbildung erhielt und alle malerischen Fertigkeiten und stilistischen Formen selber entdecken musste. Aber mit n\u00e4herem Blick sieht man auch eine starke realistische Gegenst\u00e4ndlichkeit auf seinen Bildern. Gerade in dieser Mischung zwischen intuitiv erfassten gegenst\u00e4ndlichen Ausdruck und dem freien Umgang mit Form und Farbe entsteht der Reiz dieser Bilder. Sie sind naiv und sind es nicht, sie sind realistisch und sie sind es nicht. Man k\u00f6nnte von poetischem Realismus sprechen, manchmal in der N\u00e4he der Idylle, manchmal\u00a0 sind seine Menschengestalten skurril. Die Vielfalt ist es, die den Betrachter anzieht. Ein Galerist w\u00e4hlte als Titel f\u00fcr eine Pietzsch &#8211; Ausstellung den Satzt: &#8222;Real \u00a7 Naiv&#8220;Besser kann man es nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nebenbei bemerkt: Auch der Umstand, dass er mit dem Malen nur deshalb begann, um seiner Frau eine Freude zu machen, weist auf eine gewisse Naivit\u00e4t hin. Denn hier wurde von vornherein jegliches Kalk\u00fcl f\u00fcr eine eventuelle Malerkarriere ausgeschlossen, die sich aber zum Erstaunen des Malers und seiner Frau Lydia dann wie von selbst einstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bemerkt man noch bei diesem gewaltig zu nennenden Werk\u00fcberblick von 3000 Bildhinweisen und 1800 Fotos? Die unendliche Phantasie der Gestaltung. In den verschiedenen Schaffensperioden entdeckt man Unmengen von Motiven. Man merkt, dem Bildermaler f\u00e4llt immer etwas Neues ein, man sieht auch, dass er im Alltag so viele Details entdeckt, die er als malbar erkennt. Er hat den optischen Blick. Wo mancher Zeitgenosse dar\u00fcber hinweg schaut, da sieht er eine poetische Dorfecke, einen knorrigen Baum, ein weit gestrecktes Blumenfeld, Dorfszenen, Menschen auf Flohm\u00e4rkten, bei der Ernte, auf Hochzeiten, im Zirkus, \u00fcberall dort, wo etwas passiert. Man muss es sich in diesem opulenten Werkverzeichnis auf dieser Homepage einfach selber angucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Er hat in jungen Jahren Philosophie studiert, aber den theoretischen Ballast von sich abgeworfen und&nbsp; sich dem Gedenken von Leben &#8211; und Alltagserinnerungen gewidmet. Ja, auch sich in seine Kindheit zur\u00fcckversetzt, die er in dem Buch \u201eDer&nbsp; kleine Wadenbei\u00dfer\u201c auf 400 Seiten beschreibt.&nbsp; Aber manchmal meint man, der Philosoph schimmert noch durch auf seinen Bildern, schon dadurch, dass es scheint, der Bildermaler sei die Alternative zur Kunst der Moderne, die ja die so genannte Gegenst\u00e4ndlichkeit auf ihren Bildern ablehnt. Da w\u00e4re er sozusagen ein Philosoph der Gegenwelten, die ja oft von der heutigen wissenschaftlichen Philosophie beschworen werden. Und da zeigt sich, dass es absolut falsch ist, ihn&nbsp; n i c h t zur modernen Kunst zu z\u00e4hlen. Er geh\u00f6rt dazu. Erst&nbsp; die manchmal abstrusen Bilder der Moderne rufen zwangsl\u00e4ufig und ihr zugeh\u00f6rig die gegenteilige Ausdruckweise hervor. F\u00e4lschlicherweise wird dies als \u201eheile Welt\u201c, als Konservatismus verschrien. Man meint, mit diesen Begriffen etwas Negatives erfasst zu&nbsp; haben und&nbsp; hat nur ausgedr\u00fcckt, was unbedingt notwendig ist. Der Bildermaler Ulrich Pietzsch wei\u00df, dass das, was er bisher in seinem Leben an Liebe und Entt\u00e4uschung, Aufstieg und Fall, an Krankheit und Genesung erlebt hat, nur mithilfe seiner Kunst kompensiert werden kann. Etwas anderes gibt seine Mentalit\u00e4t nicht her. Seine Frau Lydia st\u00e4rkt und st\u00fctzt ihn nun seit&nbsp;50 Jahren in diesem Bestreben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Notate <\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>von Ulrich Pietzsch<\/p>\n\n\n\n<p><em>K\u00fcnstler machen manchmal Arbeitsnotizen. Brecht nannte sie Notate. Warum er das Notat (schriftliche Bemerkung, Anmerkung, Aufzeichnung) in der Mehrzahl, also als \u201eNotate\u201c in Mode brachte, hat einen ganz einfachen Grund: Er waren&nbsp; so viele &nbsp;in einem kurzen Leben. Ich habe sp\u00e4t damit angefangen, weil ich am Beginn meiner Malerei nicht nachgedacht, geschweige denn theoretisch reflektiert habe. Als gelernter Philosoph musste ich l\u00e4ngere Zeit meines Lebens ziemlich viel krampfhaft nachdenken und war froh, diese \u00dcbung endlich vergessen zu d\u00fcrfen. Malerpinsel und Leinwand haben mir dazu verholfen, eine Zeitlang in den Schlaf der Vernunft zu fallen. Malen ist ja so etwas als w\u00fcrde das Leben stehen bleiben, wahrscheinlich auch der K\u00f6rper und der Verstand. In letzter Zeit sind aber einige Notate von mir aufgeschrieben worden, die ich&nbsp; nicht vorenthalten m\u00f6chte. Ich nenne das \u201eMalerlatein\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Bruch<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit 39 Jahren absoluter Bruch mit der bisherigen Berufsarbeit und den Lebensgewohnheiten. R\u00fcckzug aufs Land. Z\u00fcchten von Schafen. Alternatives Leben. Daraus entstand das Bed\u00fcrfnis, unabh\u00e4ngig von Zeit- und Stresszwang, kreativ t\u00e4tig zu werden.&nbsp; Alle bisherige Berufsarbeit unterlag der Selbstkorrektur, beeinflusst von \u00e4u\u00dferen, oft unangenehmen Einfl\u00fcssen, deren Eingriffe zun\u00e4chst nicht&nbsp;erkannt wurden, die aber&nbsp;letztlich f\u00fcr das Ver\u00e4ndern&nbsp;von entscheidender Bedeutung waren. Etappenweise und immer f\u00fcr einen Lebensabschnitt geltend&nbsp;waren sie die logische Folge, die zum endg\u00fcltigen Bruch f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spontan<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Malen bin ich spontan gekommen, ohne angestrengtes Denken, ohne berufliche Absicht, nur aus Freude am Gestalten. Ich habe nicht dar\u00fcber nachgedacht, welche Stilrichtung ich einschlagen w\u00fcrde, ob ich das Bild richtig grundiere, welche \u00d6le ich den Farben beimischen soll. Alles das habe ich nicht gewusst, musste folglich im t\u00e4glichen Selbst &#8211; Lernen meine Malweise finden. Theorien habe ich mir nicht zu Rate gezogen und auch nicht zu Recht gelegt. An Ausstellungen habe ich auch nicht gedacht. Aber das Wunder geschah, ich schaffte es, 40 Jahre lang mein Brot mit dem Malen zu verdienen, will sagen: mein Scherflein zum Familienbudget beizutragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Naiv<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alternatives Leben ist immer naiv, weil zu 50% nicht real, nur eingebildet. Bei&nbsp;mir kam hinzu, dass ich meine Kreativit\u00e4t in meiner Umwelt entdeckte, in der noch intakten d\u00f6rflichen Struktur. Das war&nbsp;ebenso naiv, denn auch diese Intaktheit war zum Zeitpunkt&nbsp;des Beginns meiner Malarbeit&nbsp; nur bedingt real. Als Drittes kommt hinzu, dass ich nicht als Maler ausgebildet wurde. Folglich werde ich oft als naiver Maler bezeichnet. Ich h\u00f6re diese Bezeichnung nicht gern, weil sie eine Modebezeichnung ist, um einen <em>Stil<\/em> zu definieren. Ich habe keinen naiven Stil, sondern meine&nbsp; Bilder sind eine Kombination von Naivit\u00e4t und Realistik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Denken\/Gef\u00fchl<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Bruch im Leben hat die Relation zwischen Denken und Gef\u00fchl&nbsp;von mir&nbsp;ver\u00e4ndert. In meinen fr\u00fcheren Berufen war&nbsp;ich auf m\u00f6glichst scharfsinniges Denken angewiesen. Das Gef\u00fchl war privatisiert. Mit dem Malen entstand st\u00e4rkeres Hinwenden zum Gef\u00fchl, da&nbsp;ich nun mein zuvor vernachl\u00e4ssigtes Unterbewusstsein aktivierte. Dies ist auch ein naiver Zug, denn das moderne Leben kann das Unterbewusstsein nicht gebrauchen. (Bei&nbsp;mir ging es sogar soweit, dass&nbsp;ich schon 1984 den Fall der Mauer indirekt voraussah, in einem Gedicht, das damals ver\u00f6ffentlicht wurde).<\/p>\n\n\n\n<p><strong><strong>Trost als Rebellion<\/strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Moderne entzaubert durch Rationalisierung auf allen Gebieten die Welt (Erfindungen, Technik, Entfremdung, unpers\u00f6nliches, meist zynisches&nbsp;Verhalten, Konflikte, Zerrissenheit, Kriege). Jemand hat gesagt: Durch Verrechtlichung werden Binnenr\u00e4ume zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das provoziert die Gegenwelten der Menschlichkeit: Gef\u00fchlskultur, Hinwendung zum Nostalgischen, zur Natur, Hervorhebung des Privatlebens, des Alltags. Meine Bilder sind&nbsp;Ausdruck dieser Gegenwelten.<\/p>\n\n\n\n<p>Moderne Kunst w\u00fchlt die Menschen auf, Ihr schriller Aufschrei macht nerv\u00f6s.&nbsp;Ich bin&nbsp;gegen das Schrille, will Trost. Beruhigung in der Hektik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K\u00fcnstliches<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das K\u00fcnstliche ist \u00fcberall zu finden, im Bauwesen, in den Kaufh\u00e4usern, im Theater und auch in der Bildenden Kunst. Man hat es auch das Artifizielle genannt: k\u00fcnstlich gemacht, hergestellt,&nbsp; gek\u00fcnstelt. Die Umwelt der Moderne ist k\u00fcnstlich. Die Innenst\u00e4dte sind aus Beton. Die Reklameschriften aus dem Computer. Die Verpackungen der Lebensmittel sind Werbung. Die menschliche Haut wird durch T\u00e4towierung k\u00fcnstlich. Die moderne Kunst ist k\u00fcnstlich, wird schon oft mit dem Computer hergestellt. Das gro\u00dfformatige, k\u00fcnstlich manipulierte&nbsp;Foto, technisch erzeugt, wird zum Verkaufsschlager.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4lteren Fremdw\u00f6rterb\u00fcchern wird dieser Wortstamm \u201eArtiell\u201c als die Kunst betreffend eingef\u00fchrt und daraus auch \u201eartificiell\u201c abgeleitet, was dann mit \u201ek\u00fcnstlich\u201c \u00fcbersetzt wird. Daneben steht gleich das Wort \u201eartifici\u00f6s\u201c, was mit \u201eschlau, verschlagen\u201c benannt ist. Mir scheint das ist eine kluge Auslegung. Wer besonders schlau und verschlagen ist, wird sich den besten Kunstgriff (\u201eArtificialit\u00e4t\u201c) ausdenken, wird in die h\u00f6heren Sph\u00e4ren der K\u00fcnstlicheit vorsto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Bilder sind nicht k\u00fcnstlich, sie sind Handarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erz\u00e4hlen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Tradition des Erz\u00e4hlens ist seit Jahrhunderten&nbsp;Bestandteil der Bildenden Kunst. Die Moderne hat damit&nbsp;gebrochen. Der moderne Maler will auf seinen Bildern nichts erz\u00e4hlen,&nbsp;er \u00fcberl\u00e4sst es dem Kunstwissenschaftler, seine Arbeit zu interpretieren. Der &#8222;Inhalt&#8220; seines Bildes soll vergeistigt werden und in das Hirn des Betrachters hin\u00fcberschweben. Das Bild verl\u00e4sst seine materielle H\u00fclle und wird zur Bewusstseinstatsache. Es wird mit \u00fcbertriebener Theoriesucht zum Denkvorgang. Ich will Denken beim Betrachten meiner Bilder nicht ausschlie\u00dfen, lege aber Wert darauf, dass sich der Beschauer an einer erz\u00e4hlten Szenerie emotionell erfreut, und zwar durch den unmittelbaren Eindruck, ohne den Umweg einer Theorie gehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Stille Tr\u00e4ume<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir bew\u00e4ssern die W\u00fcsten und pflanzen B\u00e4ume, da h\u00e4tten wir tausend Jahre zu tun. Statt Zigaretten, Schnapsflaschen, Benzinkanister, Bomben und anderes Zerst\u00f6rungsger\u00e4t h\u00e4tten wir Setzlinge in der Hand. T\u00e4ten wir das nicht, w\u00fcrde es mit unserer Erde zu Ende gehen. Dann h\u00e4tten wir nur eine M\u00f6glichkeit: Wir m\u00fcssten uns eine k\u00fcnstliche &#8222;Erde&#8220; bauen, die unsere Erde umrundet. Mit B\u00e4umen, Feldern und Wiesen. Und alle dorthin auswandern. Wir w\u00fcrden&nbsp;unseren Planeten&nbsp;dreihundert Jahr verlassen und&nbsp;ihn sich selbst \u00fcberlassen. Erst dann w\u00fcrden wir auf ihn zur\u00fcckkehren, um zu sehen, was aus ihm ohne Menschen geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Neuheitssucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten Kunsttheoretiker definieren Kunst als Suche nach dem Neuen, alles andere w\u00e4re nach ihrer Ansicht keine Kunst. Das ist ein gro\u00dfer, in unserer vertrackten Neuzeit fest installierter Irrtum. Er wird aber mit solch einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit immer wieder vorgebracht, dass er durch st\u00e4ndige Wiederholung von breiten Kreisen einfach angenommen wird. Dass es sich hierbei um Ideologie, n\u00e4mlich falsches Bewusstsein, handelt, merken die Wenigsten. N\u00e4mlich entspricht diese Meinung genau dem Charakter jener Neuheitssucht, die vom Profitstreben gesteuert wird. Neuheitssucht in der Kunst ist die Parallele, man kann auch sagen: das Symbol, von all dem, was unseren Planeten kaputt macht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Motive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Goethe<strong> <\/strong>notierte bei seiner Schweizreise 1797:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>&#8222;Motive. Die besten sind die naiven, weil sie sich selbst erkl\u00e4ren, und sie den reinsten Reiz und Gefallen geben; sie sind&nbsp;das Gl\u00fcck des Symbolischen und trennen es vom Allegorischen&#8220;.<\/em><\/p>\n<cite>Johann Wolfgang Goethe<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Was Goethe meint:<\/p>\n\n\n\n<p>Sich selbst erkl\u00e4ren hei\u00dft, Motive sind eigenst\u00e4ndig,&nbsp;authentisch. Zun\u00e4chst meint man, sie weisen auf nichts anderes hin. Gl\u00fcck des Symbolischen hei\u00dft, sie sind Wahrzeichen f\u00fcr ein anderes, <em>bedeuten<\/em> einen tieferen Sinn, sind doppelt, weil deckungsgleich mit einer anderen Bedeutung. Meist ist&nbsp;dies nicht beabsichtigt, aber es entsteht, weil es naiv ist. Vom Allegorischen sind sie getrennt, weil sie nicht von vornherein nur <em>einen<\/em> Sinne haben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Meine Kunst ist Bestandteil der Moderne<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick scheint dies angesichts der Gegenst\u00e4ndlichkeit der Arbeiten anachronistisch. Dem ist aber nicht so. Sie geh\u00f6rt dazu. Ihre Identit\u00e4t mit der Moderne besteht in ihrer Gegens\u00e4tzlichkeit. Man kann auch sagen: es ist ihre Variante. Sie zeigt nicht Ausw\u00fcchse und Zerst\u00f6rung, sondern Erhaltenswertes, das von der Moderne ausgespart wird. Dies ist nur&nbsp;m\u00f6glich durch Authentizit\u00e4t (ist gleich Echtheit), durch Phantasie (ist gleich Improvisation) und durch Naivit\u00e4t (ist gleich Einfalt). All dies in st\u00e4ndiger Wechselwirkung ergibt poetische Wirklichkeit in der Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die geronnene Zeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich will schnelle Zeit nicht wahrhaben. Als Alltagsmensch kann ich es ebenso wenig wie jeder andere &#8211; aber als Maler kann ich es. Die Zeit will uns mit sich rei\u00dfen, Nie ist man dort, wo&nbsp;man sich&nbsp;befindet. Am schnellsten sind unsere Gedanken. Wir denken jeden Augenblick schon weiter, dar\u00fcber hinweg, was gerade ist. Aber ich will den Augenblick festhalten. Die Zeit kann man nur besiegen, wenn man sie zur geronnenen Zeit macht, also&nbsp; zeitlose Bilder malt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Einfacher sein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Je \u00e4lter ich werde, desto einfacher m\u00f6chte ich sein. Die komplizierten Gedanken haben uns doch nur an den Rand des Verderbens gebracht. Sie geben den Schein, als spiegelten sie die komplizierte Welt; in Wirklichkeit sind sie ein Netz, in das wir verstrickt werden sollen, um die einfache Tatsache der Dreieinigkeit von Geburt &#8211; Leben &#8211; Tod zu vergessen. Ein bisschen Leben nur, mehr ist nicht drin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Spr\u00fcche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Betrachte die Dinge so, als sehest du sie zum ersten Mal, dann wei\u00dft du, was &#8222;naiv&#8220; ist.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00e4ume, Bl\u00e4tter, Gr\u00e4ser, Unkraut so malen, als habe die Natur die M\u00f6glichkeit, die Zivilisation wieder zu \u00fcberwuchern.<\/p>\n\n\n\n<p>Maler &#8211; Poet, schade, der Begriff ist schon besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Baum ist Leben und Symbol zugleich: Werden und Vergehen, atmet ein und atmet aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede Behauptung kann widerlegt werden, nur jene nicht, die aussagt, dass sie widerlegbar ist<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haltestelle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor sich der Zug in Bewegung setzt, steht er an der Haltestelle. Auch der rastlose sich bewegende Mensch ben\u00f6tigt manchmal eine Haltestelle, wo er nur sinnsuchend nachdenkt oder auch gar nicht denkt, nur tief durch atmet. Wenn ich vor der Staffelei sitze, befinde ich mich an einer Haltestelle. Alltagshektik, Nervosit\u00e4t und Unrast sind &nbsp;ausgeklammert. Ich bin ganz bei mir und dem Bild, das ich male. Das einzige, was sich bewegt, ist der Pinsel und der Fortgang der Gestaltung auf der Leinwand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Phantasie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirklichkeit macht Phantasie erst m\u00f6glich. Vom Alltagsmenschen verlangt die Wirklichkeit pragmatisches Handeln. Da kann die Phantasie manchmal in die Irre f\u00fchren oder st\u00f6ren. Erst der K\u00fcnstler macht aus ihr ein neues Produkt, er verdoppelt die Wirklichkeit, indem er sie von einer anderen Seite betrachtet.&nbsp;Die Phantasie entnehme der Begegnung mit der Wirklichkeit, die ich hier als naturhafte Erscheinungswelt bezeichnen m\u00f6chte, oder auch: meinen menschlichen Erlebnisbereich, die objektive Existenz des jeweils anderem, des Getrennten von mir selbst, die bildhaften Elemente. Sie entfalte aber dann ihre Eigenmacht im Bewahren und Verwandeln. Die Bilder, die ich male, sind Neuprodukte meiner Einbildungskraft, aber ihr Material entnehme ich der Wirklichkeit. Also bin ich ein naiver Realist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Bildermaler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich will alles richtig malen. Schon dieser Ansatz ist naiv. Wie kann jemand alles richtig malen, der es nicht erlernt hat? Aber so merkw\u00fcrdig es ist, hier treffen sich&nbsp;naive Haltung und der Wunsch nach dem Richtigmalen im Grenzbereich von Realistik und Naivit\u00e4t. W\u00e4re ich ein naiver Maler, w\u00fcrden sich nur Liebhaber der reinen naiven Kunst f\u00fcr meine Bilder interessieren, aber dem ist nicht so: Die meisten Erwerber meiner Bilder sind einfach von der Realistik ger\u00fchrt, die auf individuelle Weise gestaltet ist. Auch deshalb nenne ich mich &#8222;Der Bildermaler&#8220; und nicht &#8222;Naiver Maler&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Harmlose Kunst &#8211;&nbsp; Kunst gegen Kummer <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kunst der Art, wie ich sie mache, wird hin und wieder als harmlos bezeichnet. Schl\u00e4gt man in einem Synonymw\u00f6rterbuch nach, findet man unter \u201eharmlos\u201c die Begriffe: \u201eGutartig\u201c, \u201eKeine Sch\u00e4digung hervor rufend\u201c. Harm hei\u00dft Kummer und harmlose Kunst ist Kunst ohne Kummer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergangenheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin ein Vergangenheitstyp. Ich erz\u00e4hle viel von fr\u00fcher. Meist male ich Vergangenheitsbilder. Manche sagen, dies sei das Moderne an ihnen. Meine Ehefrau Lydia nimmt die Bilder als Geschenke gern entgegen, aber wenn ich zu viel von fr\u00fcher erz\u00e4hle, lacht sie mich manchmal aus. Sie schaut immer mit gegenw\u00e4rtigem Blick nach vorn. Der eine von uns passt nach hinten auf, der andere nach vorn. So erg\u00e4nzen wir uns in unseren Gegens\u00e4tzen. Wir sind ja auch Mann und Frau. Das sind ja bekanntlich Gegens\u00e4tze. Bei uns ein produktiver Gegensatz: aus ihm sind allerhand Bilderkinder hervorgegangen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Mitte seines Lebens verabschiedete sich Ulrich Pietzsch von seinen bisherigen Berufen als Theaterkritiker, Wissenschaftler, Buchautor und Filmemacher. Er hatte die lange verborgene F\u00e4higkeit bei sich entdeckt, dass er Bilder malen konnte. Seine Frau Lydia war verbl\u00fcfft, dass ein gelernter Philosoph und ge\u00fcbter Journalist alles Gelernte vergisst, pl\u00f6tzlich&nbsp;sein Leben v\u00f6llig ver\u00e4ndert und&nbsp;begeistert Bilder malt&#8230;.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_kad_post_transparent":"","_kad_post_title":"","_kad_post_layout":"","_kad_post_sidebar_id":"","_kad_post_content_style":"","_kad_post_vertical_padding":"","_kad_post_feature":"","_kad_post_feature_position":"","_kad_post_header":false,"_kad_post_footer":false,"_kad_post_classname":"","footnotes":""},"class_list":["post-186","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=186"}],"version-history":[{"count":63,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":647,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/186\/revisions\/647"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}