{"id":30,"date":"2015-10-30T10:26:40","date_gmt":"2015-10-30T09:26:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/?p=30"},"modified":"2021-05-24T12:10:21","modified_gmt":"2021-05-24T10:10:21","slug":"sehnsucht-und-distanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/2015\/10\/30\/sehnsucht-und-distanz\/","title":{"rendered":"Sehnsucht und Distanz"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00dcber das Buch Ulrich Pietzsch &nbsp;\u201eDer kleine Wadenbei\u00dfer Eine Kindheit zwischen Oberwartha und Dresden\u201c, Husum-Verlag<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026Auch wenn sich bei der Lekt\u00fcre zwei Dinge herausstellen, erstens, dass&nbsp; Ulrich Pietzsch den Spitznamen wegen realer Taten bekommen hat. Das erste Opfer war seine Mutter. Und zweitens, dass der in Kukate lebende Maler ein Bild seiner Kindheit in Oberwartha bei Dresden zeichnet, das eine Zeit \u2013 ab Mitte der 30er Jahre \u2013 vor Augen f\u00fchrt, die in vielem problematisch war, f\u00fcr ein Kind aber ganz eigene Reize gehabt haben muss\u2026Aber auch wenn er nicht der ansprechendste ist \u2013 der Titel des Buches entspricht dann doch dem Charakter des Autoren, der es in seinem Leben wohl eher selten auf&nbsp; Komplimente angelegt hat. In seiner Kunst nicht, die sich systematisch den g\u00e4ngigen Maximen dessen, was heute aktuell ist, verweigert \u2013 wobei viele \u00e4ltere Fragen zur Geste erstarrt oder viele&nbsp; aktuelle Tendenzen Hype sind. Dass Pietzsch selbstbewusst auf seinen Bildern von heilen Welten in naivem Stil beharrt \u2013 und ihr Potenzial aufzeigt \u2013 ist jedenfalls eine nachvollziehbare Position, die auch auf blinde Stellen aktuellen Kunstschaffens weist.&nbsp; Und manche&nbsp; Reaktion l\u00e4sst denken, dass in ihrer Vehemenz nicht mehr und unguteres zum Ausdruck kommt als Kritik.<\/p>\n\n\n\n<p>Naive Bilder von heilen welten sind auch in der Kindheitsbiografie von Ulrich Pietzsch bestimmend. Sehsucht ist daraus zu lesen, aber auch Distanz, die aus Beobachtung erw\u00e4chst. Dire schw\u00e4chsten Stellen des Buches sind die, in denen&nbsp; diese Distanz ohne Not aufgegeben wird, etwa wenn der Text in s\u00e4chsischen Dialekt verf\u00e4llt, vielleicht eher ein Hybrid aus Hochsprache und Dialekt. Doch grosso modo zeichnet das Buch ein \u201eGesellschaftsbild, das der kindlichen Realit\u00e4t entspricht und gleichzeitig weit \u00fcber sie hinausgreift\u201c, wie es die mit Pietzsch befreundete Autorin Irene Bartsch (Pseudonym: Irene B\u00f6hme; \u201eDie&nbsp; Buchh\u00e4ndlerin\u201c) in einem Brief an ihn ausdr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur kindlichen Realit\u00e4t, die&nbsp; der 1937 geborene Ulrich Pietzsch beschreibt, geh\u00f6ren auch die beiden Totalitarismen der deutschen Geschichte im 20.Jahrhundert. Was der Autor \u201evollkommen unaufgeregt\u201c(Bartsch) vom Leben seiner Eltern berichtet, macht deutlich, dass dem NS-Regime wie viele Deutsche einen sozialen Aufstieg verdankten, und dass sie dazu wie die gro\u00dfe Mehrheit mit den Verh\u00e4ltnissen mindestens einverstanden waren, sie weitgehend unterst\u00fctzten. Was das angeht, meint Bartsch,&nbsp; l\u00fcge&nbsp; Pietzsch sich anders als viele andere \u201enicht in die eigene Tasche\u201c. In den Vordergrund stellt das Buch diese Kehrseite des Idylls genauso wenig wie andere, wie das Bombardement Dresdens 1945 oder die beginnende SED-Diktatur. Was wohl dem entspricht, wie das Kind die Zeit erlebt hat. Zugleich ein Versuch ist, auf dem schmalen Grat zwischen Verschweigen und Verteufeln zu wandern, niht einfach, wenn es um die eigenen Eltern geht. Ist er gelungen? Es wird verschiedene Antworten auf diese Frage geben.<\/p>\n\n\n\n<p>tj<\/p>\n\n\n\n<p>Elbe-Jeetzel-Zeitung&nbsp; 16.06 2015<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das Buch Ulrich Pietzsch &nbsp;\u201eDer kleine Wadenbei\u00dfer Eine Kindheit zwischen Oberwartha und Dresden\u201c, Husum-Verlag \u2026Auch wenn sich bei der&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_kad_post_transparent":"","_kad_post_title":"","_kad_post_layout":"","_kad_post_sidebar_id":"","_kad_post_content_style":"","_kad_post_vertical_padding":"","_kad_post_feature":"","_kad_post_feature_position":"","_kad_post_header":false,"_kad_post_footer":false,"_kad_post_classname":"","footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-30","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2010er-pressestimmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=30"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":589,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/30\/revisions\/589"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=30"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=30"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=30"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}