{"id":38,"date":"2015-10-30T10:30:58","date_gmt":"2015-10-30T09:30:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/?p=38"},"modified":"2021-05-24T12:09:39","modified_gmt":"2021-05-24T10:09:39","slug":"die-verteidigung-des-idylls","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/2015\/10\/30\/die-verteidigung-des-idylls\/","title":{"rendered":"Die Verteidigung des Idylls"},"content":{"rendered":"\n<p>2. Ausstellung in der Festung D\u00f6mitz, Galerie Hauptwache<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte es ganz einfach sein: In Zeiten, in denen im Zeichen des postmodernen Prinzips das &gt;Anyming goes&lt;&nbsp; (frei \u00fcbersetzt: &gt;Nichts ist unm\u00f6glich&lt;) zahlreiche Schulen und Stile der Kunst koexistieren, k\u00f6nnte das Idyll als eine unter vielen akzeptiert sein. Doch so einfach ist es nicht. Anders als etwa dem eklektizistischen und von leerer Provokation bestimmten Sammelsurium eines Johannes Meese wird dem Idyll nach wie vor mit gro\u00dfem Vorbehalt begegnet. Einer, dessen Arbeiten seit 30 Jahren antreten, es zu verteidigen, ist der Maler Ulrich Pietzsch aus Kukate. Er tut das, wie eine Ausstellung aus Anlass seines 75.Geburtstages in der Festung D\u00f6mitz zeigt, mit seinen Bildern, er tat das am Sonntag auch in einer Rede zur Vernissage. Mit guten Argumenten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bilder Ulrich Pietzschs sind umstandslos dem Genre des Naiven zuzuordnen, farbenpr\u00e4chtig, bis ins Detail auskomponiert, zeigen sie Freuden und Feste, Menschliches und Natursch\u00f6nes. Sie zeigen es mit Witz; da ist ein sich liebendes Paar auf einer Blumenwiese, das ein Vogel sich als Sitzplatz auserkoren hat, ein anderes Paar, das sich noch sucht, wird aus einem Kornfeld heraus von einer Katze be\u00e4ugt. In der N\u00e4he h\u00e4ngen ein Don Quichotte auf einem Schaukelpferd, ein &gt;St\u00e4dter auf der Kuh&lt;, sitzen Katz und Hund traulich vereint am Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders gelungen sind die gro\u00dfformatigen Arbeiten in \u00d6l, die Technik treibt die Idyllik des Gezeigten auf die Spitze, setzt es frei und nimmt ihm in ihrer Klarheit der Konturen zugleich jede \u00dcbertreibung, die sie scheitern lassen w\u00fcrde. Die kleinern Bilder in Aquarelltechnik, oft&nbsp; Skizzen&nbsp; oder Entw\u00fcrfe, wie Pietzsch erkl\u00e4rt, bleiben den Arbeiten in \u00d6l gegen\u00fcber blass, laufen manchmal Gefahr, zu weit zu sch\u00f6n zu sein. Auch die Erkundung der Welt des Idylls ist ein Ritt auf des Messers Schneide.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es dennoch Gr\u00fcnde gibt, sich nicht nur subjektiv dem Idyll zu verpflichten, machte der&nbsp; in der DDR aufgewachsene und 1982 ausgeb\u00fcrgerte Maler aus Kukate in seiner Rede deutlich: &gt;Es muss nachgedacht werden&lt;, beschrieb er die Kunst der Moderne wie der Gegenwart. Sie wolle die &nbsp;&gt;Herrschaft des bildnerischen Ausdrucks \u00fcber die Natur&lt; sein, benannte Pietzsch, was St\u00e4rke und Defizit zugleich dieser Kunst ist, was undialektisches Denken \u00fcbersieht, wenn es ersteres genauso umstandslos akzeptiert wie es das zweite ausblendet. Es gehe ihm&nbsp; darum, die &gt;stets auf Aktualit\u00e4t&lt; bedachte Idylle &gt;in Beziehung zur Moderne zu setzen&lt; und als &gt; die zweite Seite der&nbsp; Medaille der heutigen Kunst&lt; zu verstehen, verdeutlichte Pietzsch seine Position. Die begr\u00fcndet er mit dem Verweis auf das &gt;Geheimnis der Idylle&lt;, auf deren &gt;Beitrag zur Reproduktion der Humanisierung des Menschen, zu seiner Entbrutalisierung&lt;. Seine Kunst solle &gt;im Augenblick des Sehens einen nachhaltigen Genuss, Trost und Befriedigung ausl\u00f6sen&lt;.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass abstrakte Kunst &gt;in absolutem Widerspruch zu allem steht, was in tausenden Jahren zuvor als Kunst entstanden war&lt;, dass bei ihr die Empfindung erst nach der &gt;rationalen Entschl\u00fcsselung&lt; komme, wie&nbsp; Ulrich Pietzsch sagte \u2013 ganz so einfach ist es vielleicht doch nicht. Doch seine Bilder und Argumente weisen mit Qualit\u00e4t auf eine Qualit\u00e4t, die oft verloren geht.<\/p>\n\n\n\n<p>tj<\/p>\n\n\n\n<p>Elbe-Jeetzel-Zeitung&nbsp; 18.10.2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2. 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