{"id":42,"date":"2015-10-30T10:33:01","date_gmt":"2015-10-30T09:33:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/?p=42"},"modified":"2021-05-24T12:09:23","modified_gmt":"2021-05-24T10:09:23","slug":"kummerlose-kunst-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/2015\/10\/30\/kummerlose-kunst-2\/","title":{"rendered":"Kummerlose Kunst"},"content":{"rendered":"\n<p>\u00dcber den Bildband\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Schl\u00e4gt man das Buch auf, so taucht man ein in ein fantastisches Reich. Das kommt ganz unbek\u00fcmmert daher \u2013 farbenfroh, heiter, poetisch, detailfreudig, mitunter komisch bis skurril: Menschen, Tiere, Blumen, B\u00e4ume, H\u00e4user, Landschaften zu allen Tages- und Jahreszeiten. Erz\u00e4hlt werden vor allem Geschichten vom Leben kleiner Leute auf dem Lande, wahre und ausgedachte, vergn\u00fcgte Schnurren und wundersame Legenden. All die h\u00e4uslichen und Kneipenszenen, die Bilder von Hochzeiten, Ausfl\u00fcgen, Kutschfahrten, Laternenumz\u00fcgen, Karnevalsgaudi, von M\u00e4rkten und Rummelpl\u00e4tzen, von Zirkus- und Theaterauff\u00fchrungen w\u00e4rmen das Herz und zaubern ein L\u00e4cheln ins Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Machart und von den Motiven her f\u00fchlt man sich sofort an naive Malerei erinnert. Und tats\u00e4chlich ist Pietzsch Autodidakt. Aber er ist kein Sonntagsmaler, keiner, der die Malerei als Freizeit \u2013 oder Ruhestandsbesch\u00e4ftigung betreibt. Seit Jahrzehnten ist er ein ausgemachter Profi, einer, der auf 60 Einzelausstellungen zur\u00fcckblicken kann&nbsp; und der gut im Gesch\u00e4ft ist\u2026 Ulrich Pietzsch ist kein Heimatmaler, der seiner Wahlheimat, dem nieders\u00e4chsischen Wendland, ein Denkmal setzen m\u00f6chte. Sein Blick auf die Natur, auf das frei Land und seine Bewohner ist der Blick eines St\u00e4dters. Er hat die Gro\u00dfstadt im R\u00fccken, nicht nur in dem Sinne, dass er ihr den R\u00fccken gekehrt hat, sondern vor allem in dem, dass sie der immerw\u00e4hrende Bezugspunkt und Hintergrund bleibt, vor dem er sein d\u00f6rfliches, l\u00e4ndliches Panorama entrollt.. Inzwischen wird sein Werk als &gt;Wohlf\u00fchlkunst&lt; bezeichnet\u2026 Den Maler wird&nbsp; solch unverhoffte N\u00e4he eher am\u00fcsieren als kr\u00e4nken. Manch Kunstbeflissenem d\u00fcrften die Haare zu Berge stehen. &gt;Wohlf\u00fchlkunst&lt; ist hierzulande geradezu ein Schimpfwort, ein Antibegriff zu wahrer Kunst, die doch auf Sinnsuche, geistige Anstrengung, auf Protest oder zumindest Provokation aus sein m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrich Pietzsch selbst rechnet seine Bilder zugeh\u00f6rig einer &gt;kummelosen Kunst&lt;. Wer hierin ebenfalls einen Verrat an den hehren Zielen der Kunst sieht, dem sei die Lekt\u00fcre von Hegels &gt;Vorlesungen \u00fcber die \u00c4sthetik&lt; empfohlen. Dort werden sie kummerlose Seligkeit und Heiterkeit, die g\u00e4nzliche Unbek\u00fcmmertheit und Sorglosigkeit, das volle Gef\u00fchl von Gesundheit und Lebenslust, der stete Ton von Freude, Sch\u00f6nheit und Gl\u00fcck, F\u00fclle und W\u00e4rme, Wohlsein und Milde, der Reichtum&nbsp; an gl\u00e4nzenden und pr\u00e4chtigen Bildern einer einfachen Natur in der bildenden Kunst verschiedner V\u00f6lker und Zeiten gepriesen. &gt;Kummerlos&lt; ist in Hegels Kunstbetrachtungen ein G\u00fctezeichen, das er in mehreren Zusammenh\u00e4ngen vergibt, kein Attribut, das Oberfl\u00e4chlichkeit signalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrich Pietzsch bezieht sich nicht ausdr\u00fccklich auf Hegel, aber seine Wortwahl d\u00fcrfte nicht zuf\u00e4llig sein. Es liegt auf der Hand, dass er nach f\u00fcnfj\u00e4hrigem Philosophiestudium und fast zehnj\u00e4hriger T\u00e4tigkeit an einer universit\u00e4ren &gt;Sektion \u00c4sthetik und Kunstwissenschaften&lt; seinen Hegel kannte und dass dieser auch im Untergrund noch fortlebt. Wer N\u00e4heres zur Kunstauffassung des Malers wissen will, der lese in dem Bildband nach. Dort ist auch Erhellendes \u00fcber sein Selbstverst\u00e4ndnis als &gt;Bildermaler&lt; zu erfahren. Mit dieser Bezeichnung m\u00f6chte er seine Unabh\u00e4ngigkeit demonstrieren, sich abgrenzen einerseits von &gt;naiven&lt; Malern, andererseits von den etablierten Repr\u00e4sentanten des offiziellen Kulturbetriebes. Ob dies n\u00f6tig oder m\u00f6glich ist, sei dahingestellt. Denn selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt auch ein Autodidakt wie er mit seinem Atelier, seinen Bildern und B\u00fcchern, seinen Ausstellungen und Lesungen, seinen Sammlern im In- und Ausland zum allgemeinen Kunstmarkt, ist dessen Gesetzen unterworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u2026Die Bilder selbst bed\u00fcrfen keiner Interpretation. An ihnen kann man sich ohne jede Erkl\u00e4rung erfreuen und sich seinen eigenen Reim daraus machen. Aufmerksam gemacht werden sol zugleich auf einen kreativen Kopf, dessen grenzenlose Fantasie sich nicht nur in seinen Arbeiten zeigt, sondern auch in der eigenen Vita niederschl\u00e4gt. Hier hat sich ein Mensch in der Mitte seines Lebens quasi neu erfunden \u2013 und mit ihm seine Ehefrau Lydia Wolgina. Der Philosoph und Theaterkritiker und die einstige Primaballerina an der Deutschen Staatsoper Berlin leben zur\u00fcckgezogen auf dem Land, in Gesellschaft von rassigen Katzen und edeln Hunden. Sie haben ihr erstes Leben hinter sich gelassen, aber der Horizont ist weit geblieben. Die ganze Welt der Wissenschaft und Kunst, der Politik- und Kulturbetrieb, das gro\u00dfst\u00e4dtische Leben sind noch immer sehr pr\u00e4sent. Nur so l\u00e4sst sich ein Gegenbild entwerfen in Gestalt eines paradiesischen Zustandes. Ulrich Pietzsch nennt es so: Die Kunst macht den Alltag neu. Durch sie sehen wir die Wirklichkeit anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Isolde Dietrich<\/p>\n\n\n\n<p>Kulturation 2011&nbsp; (Internet: <a href=\"http:\/\/www.kulturation\/\">www.kulturation<\/a> de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber den Bildband\u2026 Schl\u00e4gt man das Buch auf, so taucht man ein in ein fantastisches Reich. 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