{"id":80,"date":"2015-11-03T09:39:40","date_gmt":"2015-11-03T08:39:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/?p=80"},"modified":"2021-05-24T12:07:44","modified_gmt":"2021-05-24T10:07:44","slug":"vom-bilder-malen-und-so-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ulrich-pietzsch.de\/index.php\/2015\/11\/03\/vom-bilder-malen-und-so-weiter\/","title":{"rendered":"Vom Bilder malen und so weiter"},"content":{"rendered":"\n<p>Zum Kunstbuch &gt;Aufs Richtige Pferd gesetzt&lt;<\/p>\n\n\n\n<p>&gt;Liduschka, was w\u00fcrdest du sagen, wenn ich meine Dissertation nicht verteidige. Ich will kein Doktor werden&lt;. Einen g\u00fcnstigen Zeitpunkt hatte sich Ulrich Pietzsch f\u00fcr diese Er\u00f6ffnung scheinbar nicht&nbsp; gew\u00e4hlt, denn seine Frau Lydia Wolgina hatte soeben wegen einer Intrige ihr Engagement als Ballerina&nbsp; der Deutschen Staatsoper verloren und sagte: &gt;Ich verstehe dich&lt;. Somit war der Wg f\u00fcr ihn frei, Maler zu werden, was ihm mehr schwante, als dass er es wusste.<\/p>\n\n\n\n<p>An Berufen und Besch\u00e4ftigungen hatte Pietzsch, &nbsp;1937 in Oberwartha bei Dresden geboren, bis dahin einiges vorzuweisen: W\u00e4hrend seiner Lehre zum Landwirt traf er sich mit Mathias Griebel beim K\u00fche melken, er war Montagearbeiter, Journalist und Redakteur\u2026Er gab den Philosophiestudenten und den Organisationsleiter beim Bau des Berliner Theaters b.a.t, das aber bald der reinen Kulturpolitik zuliebe geschlossen wurde. Er arbeitete als Theaterkritiker, als Buchautor und beim Fernsehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Bildband &gt;Berlin \u2013 \u00fcber die D\u00f6rfer&lt; und nach dem Erz\u00e4hlband &gt;Verdammte Heimat&lt;, f\u00fcr dessen Titelgeschichte er einen Preis erhielt, legt Ulrich Pietzsch jetzt mit &gt;Aufs richtige Pferd gesetzt&lt; den dritten Band in eigenr Sache vor. Und seine Sache sind 30 Jahre Malerei. Darum handelt folgerichtig die erste Erz\u00e4hlung vom Einsargen der Dissertation, die folgenden 37 davon, was ein Bildermaler und seine Frau seitdem erlebten.<\/p>\n\n\n\n<p>Reflexionen zur \u00c4sthetik oder gar Theoretisieren, wie man es bei einem K\u00fcnstler nicht ausschlie\u00dfen k\u00f6nnte, geh\u00f6ren nicht zu seiner Art des Erz\u00e4hlens. Es w\u00fcrde auch nicht zu seiner Haltung assen, die in allen Geschichten gegenw\u00e4rtig ist: das Staunen \u00fcber den Lauf der Dinge, wie verwickelt oder geradeaus sich das Leben abspult. Davor&nbsp; machte ihn keine Lebenserfahrung sicher, aber zu lachen gab es immer etwas, das in den texten als Ironie wieder aufblitzt.&nbsp; Die unangenehmen oder schweren Begebenheiten, auch diejenigen, die sie verursachten, werden von Pietzsch mit Lakonie gestraft, die auch sarkastisch sein kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Erz\u00e4hlungen beginnen weit entfernt von der Palette des Malers, in einer Redaktion der 50er Jahre, in Bulgarien oder im Wanderzirkus. Aber wie an unsichtbaren Linien entlang f\u00fchrt es die Hauptpersonen zu den Bildern, damit Ulrich Pietzsch ihre Erlebnisse kennen lernt und aufschreiben kann. Manchmal entstand dazu auch noch ein Bild, wie das vom &gt;K\u00e4se Paul&lt;, der sich f\u00fcr eine Sch\u00f6nheit hielt, was der Maler zu dessen Emp\u00f6rung nicht sah. Ber\u00fchmte Personen bev\u00f6lkern die Erz\u00e4hlungen auch, sie tauchen auf, geben ihren Part und verschwinden wieder, bevor sie zu wichtig werden k\u00f6nnten. &gt;So sage ich mir zum Trost, ich werde Bewahrer einer \u00fcberkommenen Zeit, genau wie Don Quichotte, der als Romangestalt das Gl\u00fcck hatte, im Ged\u00e4chtnis der Menschen zu bleiben&lt;.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser eher resignierenden Einsch\u00e4tzung vom geplanten Windpark, der sieben D\u00f6rfern die Sicht verstellen w\u00fcrde. Pietzsch ritt voran, dieses Unternehmen zu&nbsp; verhindern und hatte letztlich Erfolg, auf dass er k\u00fcnftig keine Landschaftsbilder mit Windr\u00e4dern malen m\u00fcsse.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Selbstbildnis als Don Quichotte zeigt folglich keine ausgesprochen traurige Gestalt, aber es leitet die Geschichte ein, so wie am Anfang jeder Erz\u00e4hlung eins seiner Bilder steht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bernhard Theilmann<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00e4chsische Zeitung Dresden&nbsp; 11\/12.02 2006<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Kunstbuch &gt;Aufs Richtige Pferd gesetzt&lt; &gt;Liduschka, was w\u00fcrdest du sagen, wenn ich meine Dissertation nicht verteidige. 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